Dunkelheit bei Tageslicht?

Apr 27, 2022Allgemein1 Kommentar

 

Ja klar, wenn ich im Tunnel, Keller oder sonst unter der Erde bin, da ist kein Tageslicht, das stimmt.

Der eine oder andere wird sich denken, ne ne da steckt mehr dahinter, sonst würde er das jetzt nicht so schreiben und ja das stimmt. Was ich meine ist eher eine andere Situation, die mir während einiger meiner Gespräche und Coachings immer wieder als Thema begegnet.
Stelle Dir vor und das ist dem einen oder anderen von Euch vielleicht  schonmal passiert, oder ihr kennt jemanden, der sowas selbst erfahren und euch vielleicht erzählt hat.
Ich rede von den Situationen in denen plötzlich und ohne jegliche Ankündigung, die Stimmung völlig verändert wirkt, mies drauf, traurig, missmutig usw. und es ein offensichtlicher Grund oder Erklärung zu erkennen oder zu erklären.
Der eine oder andere denkt in solchen Situationen vielleicht, das ist alles Quatsch oder Einbildung oder Hirngespinste um von etwas Anderem abzulenken.
Und ja ich hab mich auch schon babei erwischt, dass ich dachte,    Frau/Mann, kneif die Pobacken zusammen und mach einfach weiter,             so schlimm isset jetzt doch nicht und es gibt für alles eine Lösung.              Und … ja .. vielleicht ist das bei dir oder euch so, nur…
… es kann auch gaaaanz anders sein… 

Es ist schon etwas her, da traf ich einen Freund, den ich schon sooo lange nicht mehr gesehen hatte, ein lustiger Zeitgenosse, witzig immer einen coolen oder lustigen Spruch auf der Lippe, immer nach außen gerichtet und offen, zwischendurch war er mal für ein paar Tage oder Wochen weg, und tauchte dann plötzlich wieder auf und da ich wusste, dass er durch die Arbeit viel reiste, war das für mich völlig normal. Nur diesmal hatten wir uns einige Monate nicht gesehen und nun ja, ich hatte auch viele Ding zu tun, daher kein Thema.
Wir entschieden uns spontan in einem netten kleinen Lokal was zu schnabulieren und zu trinken, und machten ein gegenseitiges Update unserer beider Leben, der vergangenen Monate.    Was mir sofort auffiel war, das mit seiner nach außen gerichteten Art und Witzigkeit, sie war nicht da, etwas war anders und nicht dass mir das nicht gefallen hätte oder unangenehm war, es fehlte so etwas diese Spritzigkeit. Da ich viel Zeit an diesem Tag hatte und er offensichtlich auch, hielten wir uns einige Stunden in dem Lokal auf, was mir dann auch zur fortgeschrittenen Zeit die Gelegenheit gab, diese beim Schopfe zu packen und Ihn zu fragen, ob ich es mir einbilden würde oder warum er in meiner Welt „anders“ drauf sei. Er schaute mich für einen Moment an, ich dachte schon o Gott, et iss was mit Omma.
Nee es war nicht Omma, es war mit ihm.  Er erzählte mir eine Geschichte, also seine, wo er eines Tage am Schreibtisch saß und Dokumente für seine Arbeit fertig machte und ein Anruf aus seiner Firma kam, dass der größte Kunde abgesprungen sei.  Ab da ging es wie eine endlose Spirale abwärts.
By the way offenbarte er sich weiter und fragte mich, ob mir früher nicht aufgefallen sei, dass er schonmal länger weggewesen sei, na klar war mir das aufgefallen und … es war nicht der Job.
Auf meine Frage was denn los sei, erklärte er mir das so:
„Hast du schon mal geträumt du bist irgendwo, weit oben, auf einem Berg oder im Flugzeug oder ähnlich hoch und auf einmal fällst du? Und du hast keine Möglichkeit was dagegen zu zun? Und du fällst und fällst und nichts oder niemand kann dir helfen, du siehst vielleicht etwas woran du dich festhalten könntest und du tust es nicht, weil es „egal ist“ oder dich spricht jemand an und du reagierst einfach nicht, obwohl du genau weißt und merkst, dass das was da gerade passiert kein Traum ist , sondern die Realität, deine Realität, dein Leben und dir ist bewusst, das geht grad alles kaputt und du willst vielleicht, aber du kannst nichts tun, weil du wie gelähmt zusiehst wie es passiert, nämlich mit dir und alles um dich herum. Und wenn alles gut geht und du irgendwann wieder raus bist aus diesem freien Fall, dann kommt der Gedanke, man so ein Mist, das darf nicht wieder passieren und du nimmst all deine Gedanken zusammen und schwörst und bist sicher, „nicht noch mal“.

Nur….manchmal braucht es nur einen klitzekleinen Impuls und wenn es nur der Gedanke ist, das irgendwas doof ist oder jemand was sagt, was dich genau und ja … genau in diesem Moment so trift und du merkst, Mist es geht wieder los und wenn alles gut geht, ein kurzer Moment des Unbehagen deinen Körper durchdringt und du es durch etwas schnell ablenken kannst, dann ist es gut gegangen, wenn nicht…. geht das alles wieder von vorne los.“          

Er schaute mich an, ich schaute wahrscheinlich so fassungslos zu, dass er mich fragte, ob alles ok sei. Nun ich brauchte wirklich ein paar Minuten um wieder bei mir zu sein und da…. war mir natürlich klar was los war mit Ihm, diese nach außen gerichtet Art zu sein, war ein Instrument um sich von seinem Problem fern zu halten.

Er erzählte mir dann noch kurz und das fand ich sehr schön, über seinen Aufenthalt in der Klinik, und wie toll die Menschen ihm da geholfen haben,   um wieder ins Leben zurück zu finden und wie schön es sei, dass es doch viel mehr Möglichkeiten gibt, um Menschen mit Stimmungsschwankungen oder gar mit Depressionen zu helfen und wie Glücklich er ist, dass seine Partnerin ihn begleitet hat und im immer die Hand offen gehalten hat und ihn unterstützt hat. Dass er in seinem Job das weitermachen kann, was ihm so einen Spaß bereitet. Er hat auch gesagt, dass sein Wille, diesen negativen Teil seines Lebens zu „positiveren“ ihm sehr wichtig war und ist und er sehr froh sei, dass er mir das so offen erzählen kann.

Nuun ja, für mich war das eine sehr erhellende Lebensgeschichte und oft erlebe ich Menschen, die ähnliche Situationen mit sich tragen oder sich in der Situation herumtragen, und oft kann da mit professioneller Hilfe und Medikamenten geholfen werden oder in anderen leichteren Situationen hilft dir oft, wenn jemand einfach nur zuhört oder sich mit dir austauscht.
Ich finde es wichtig und toll, wenn der Betroffene da draußen sich wie mein Freund sich für sein Leben entscheidet, für ein schönes fröhliches und entspanntes Leben.

P.S. Übrigens, mein Freund sollte mittlerweile Papa geworden sein. 😊

Oliver Franken

Oliver Franken

1 Kommentar

  1. Martens B.

    Ist aus dem Leben, sehr schön erzählt

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